von Dieter Donner

Waldesfrust

“Die deutsche Eiche ist todkrank”, sagt Bärbel Höhn für Nordrhein-Westfalen. Aber “der Wald erholte sich ein wenig”, so die Kunde aus dem Landwirtschaftsministerium in Berlin. Unterschiedlicher können die Meldungen nicht sein.

Vom Landwirtschaftsministerium wird eine Erholung des deutschen Waldes an die Wand gemalt, die sich in der eigens dafür erstellten Grafik widerlegt sieht. Denn es mögen ja gegenüber dem Anfang der 90er Jahre die starken Kronenschäden von 25 Prozent auf 22 Prozent zurückgegangen sein - die wieder ansteigende deutliche Schädigung von 1998 ausgehend von 21 Prozent auf 22 Prozent in 1999 findet sich aber in der kurzen, hyperoptimistischen Meldung nicht wieder. Auf der anderen Seite steht die Aussage von Bärbel Höhn, der Umweltministerin in NRW: "Die Schäden sind so hoch wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984".

Der Bericht nennt sich in NRW auch ehrlicherweise "Waldschadensbericht", während man in Berlin mit der Bezeichnung "Waldzustandsbericht" das Problem kleinreden möchte. Das ist allerdings eine Verniedlichungstaktik, die Rot-Grün auf Bundesebene von der ehemaligen Entsorgungsministerin der Nation und jetzigen Spenden-Angela Merkel übernommen hat. Die aus Berlin zu vernehmenden Verbesserungen und Rückgänge der Schwefel- und Stickstoffemissionen scheinen sich bei den Bäumen im deutschen Wald noch nicht herumgesprochen zu haben. Vielleicht halten sich die Bäume auch einfach zu sehr mit den Fakten der täglichen Belastungen auf, mit denen sie fertig werden müssen.

Immerhin benennt Bärbel Höhn das eigentliche Problem deutlich. Während durch härtere Gesetze die Industrieabgase reduziert werden konnten, tobt sich der Autoverkehr mit seinen Belastungen gegen Mensch und Natur ungehindert weiter aus. Pseudokrupp und Waldsterben zum Trotz ruft der Autokanzler Schröder zum Kampf gegen eine Altautoverordnung auf und biedert sich bei seinem alten VW- und Audi-Freund Piech an. Ja, er entschuldigt sich ja förmlich für die steigenden Benzinpreise, obwohl er genau wissen sollte, dass die Ökosteuer nur den kleineren Teil der Erhöhungen ausmacht. Die Ölkonzerne haben vielmehr entdeckt, dass bei dem deutschen und den anderen europäischen PS-Fetischisten noch weit mehr Geld aus den Portemonees zu zaubern ist.

Nein, dieser Kanzler ist wahrlich nicht an niedrigeren PS-Zahlen und geringeren Benzinverbräuchen interessiert. Damit wäre eigentlich allen zu helfen, dem sparsamen und vernünftigen Autonutzer mit weniger stark steigenden Ausgaben, dem deutschen Wald mit geringerer und weniger schädlichen Benzinverbrennung und den vielen Atemkranken, die eine Schadstoffreduzierung dringend benötigen.

Aber was kann ein Umwelt- und Naturschützer schon erwarten von Politikern, die jahrzehntelang in fast allen Bereichen die Wähler an der Nase herumgeführt haben. Und selbst jetzt, wo sie erwischt worden sind, handelt es sich in den Augen dieser korrumpierten Gesetzesbrecher doch eigentlich nur um eine unnötige Episode. Das kann einem auch bei gesunden Atemorganen die Luft rauben. Na, wer weiß, vielleicht gibt es ja schon, ohne dass wir es wissen, Luft-Rein-Räume für die besonders privilegierten Politiker. Dem Wald hilft das wenig. Nur die Wahrheit führt mit Glück gepaart zur Einsicht in notwendige Veränderungen. Deshalb bleibt Waldschaden eine Schädigung gegen die gesamte Bevölkerung und der Lug und Betrug der Politiker eine Vergiftungsgefahr für die Demokratie. Beides gilt es entschlossen und schnell zu bekämpfen.