UMWELT & NATUR

"teck, teck, teck"
Die Mönchsgrasmücke ruft!
Volker Hasenfuß

 

Von den bei uns vorkommenden Grasmückenarten ist die Mönchsgrasmücke die weitaus häufigste. Der Vogel ist kleiner als ein Sperling. Er hat eine gräulich-olivfarbene Oberseite und eine hellgraue Unterseite. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal von anderen Grasmücken ist die Färbung der Kopfplatte: bei ausgewachsenen Männchen ist sie schwarz.

Das kommt auch im lateinischen Namen "atricapilla" zum Ausdruck, was so viel heißt wie Schwarzköpfchen oder Schwarzplättchen. Die Weibchen und Jungvögel sind grau gefiedert mit brauner Tönung und brauner "Kappe". Der Gesang setzt mit einem leisen, schwätzenden Vorgesang ein, der allerlei Imitationen enthält: Der daran anschließende Motivgesang ist laut flötend und klingt reiner als bei der Gartengrasmücke. Die Länge der Gesangsstrophe ist bei der Mönchsgrasmücke viel kürzer als bei der Gartengrasmücke, die nicht umsonst die "ewig Schwätzende" genannt wird. Bei Beunruhigung hört man bei den Grasmücken allgemein ein hartes "teck-teck-teck" es klingt wie das Aufeinanderschlagen von zwei Kieselsteinen.

Die Mönchsgrasmücke ist weit verbreitet: von Nordwestafrika bis Europa außer im nördlichen Skandinavien. Sie kommt auch in Kleinasien und in Westsibirien vor. Mehr als andere Grasmücken liebt der "Mönch" lichte Wälder mit starkem Unterwuchs und hat daher auch nicht so sehr unter den Auswirkungen der Flurbereinigung zu leiden. Auch in Büschen und niedrigen Bäumen in Parks und Gärten ist er oft anzutreffen.

Das Napfnest wird aus dürren Hälmchen niedrig ins Gebüsch gebaut, häufig auch in Brennnesselwälder. Es ist so vergänglich, dass es schon wenige Wochen nach dem Ausfliegen der Jungen nicht mehr zu finden ist. Zwischen Mai und Juli werden in ein bis zwei Bruten vier bis fünf Eier gelegt und 11 bis 13 Tage lang von den Eltern bebrütet. Zwei Wochen lang werden die Jungvögel von den Eltern gefüttert. Dann verlassen sie noch nicht flugfähig das Nest und verstecken sich im Buschwerk, wo sie noch eine Zeitlang gefüttert werden. Die Nahrung besteht zu dieser Zeit aus den verschiedensten Insekten, zum Herbst hin werden dann auch Beeren genommen.

Im September/Oktober verlassen uns die Mönchsgrasmücken, um im Mittelmeerraum manche auch in Afrika zu überwintern. Anfang der 60er Jahre wurde bekannt, dass ein Teil der mitteleuropäischen Mönchsgrasmücken eine neue Zugrichtung eingeschlagen hat und mit zunehmender Tendenz in England und Irland überwintert. Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfszell fingen einige der in England überwinternden Vögel und ließen sie in Deutschland brüten. Der Nachwuchs, der bei den Mönchsgrasmücken auf sich allein gestellt ins Winterquartier fliegt, startete im Herbst in Richtung England ohne das Land je gesehen zu haben. Da die Information über die neue Flugroute also von einer auf die nächste Generation weitergegeben wird, muss sie im Erbgut der Vögel festgelegt sein. (Die Wissenschaftler glauben, dass bei den ersten Englandreisenden diejenigen Gene, welche die Zugrichtung bestimmen, zufällig verändert waren.) Die Kursänderung der Mönchsgrasmücke nach England deutet darauf hin, dass das Zugverhalten vieler Vögel weniger starr ist, als man früher geglaubt hat. Auch durch die zunehmende Klimaerwärmung werden wohl schon in naher Zukunft manche Zugvögel, vor allem die Teilzieher, nicht mehr die beschwerliche und gefährliche Reise in den Süden antreten.