LANDWIRTSCHAFT

Neue Seuchen vermeiden
– Schluss mit der Tierquälerei

von Dieter Donner

Schützt die bedrohte Natur - Hinweisschild im Neandertal

BSE ist mittlerweile auch dem letzten Verbraucher in die Glieder gefahren. Aber das ist nur eine Folge unserer pervertierten Fleischerzeugung. Im Schatten von BSE wird nicht-artgerechte Tierhaltung und Fleischerzeugung bei andern Mitgeschöpfen weitergeführt. Deshalb ist es dringend notwendig, jetzt gegen die Massentierhaltung von Puten im Neandertal massiv Widerstand zu leisten.

Der Horror in den Mastanlagen hat schlimme Folgen für Mensch und Tier. Denn die enge Haltung führt zu Krankheiten, Salmonellenbefall und übermäßiger Gabe von Medikamenten. Zusätzlich vollgepumpt mit Wachstumsbeschleunigern vegetieren die Turboputen vor sich hin. Ihr Fleisch landet dann auf dem Teller des Verbrauchers.

Doch damit nicht genug: Anders als den Deutschen seit Jahren suggeriert wird, ist Putenfleisch ganz und gar nicht gesünder als anderes Fleisch; weder beim Cholesterin noch beim tierischen Eiweiß tut es sich besonders hervor.

Dabei waren es gerade die gestiegenen Qualitätsansprüche der Fleischesser, die dem Truthahn in Deutschland eine unglaubliche Karriere beschert haben. Der Putenerzeugerverband lobt und empfiehlt: “Pute eignet sich als Diät-Lebensmittel” – eine gewagte Empfehlung! In Wirklichkeit enthalten Puten mit 70 Milligramm Cholesterin je 100 Gramm Fleisch genauso viel von dem belastenden Fettbestandteil wie etwa Schweinekoteletts. Aber nicht nur beim Cholesterin wird der Wert von Putenfleisch weit überschätzt. Die Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach hat in einer Studie den Gehalt an Fett und Eiweiß in Hähnchen und Pute untersucht und keine Unterschiede gefunden. Beide Tierarten enthalten rund ein Prozent Fett, und in beiden findet sich 22 Prozent Eiweiß. Das viel gescholtene Schweinefleisch schneidet mit 15 Prozent Eiweiß besser als das Geflügel ab.

Ein hoher Gehalt an tierischen Eiweiß ist deshalb problematisch, weil der Organismus es nur schwer verwerten kann. Entgegen allen Vorurteilen ist Putenfleisch eben nicht besser als andere Fleischsorten.

Auch was tierschützerische Aspekte betrifft, geht es der durchschnittlichen Pute kaum besser als etwa Rindern in Anbindehaltung oder Hühnern in Batteriekäfigen. Tierschützer schätzen, dass bei etwa 90 Prozent aller Truthähne am Ende der Mast der Fortbewegungsapparat geschädigt ist. Einige Mäster nehmen nicht einmal die toten Tiere aus den Anlagen. Die Kadaver verwesen inmitten der Puten, die später auf dem Teller landen. Tierschützer schätzen anhand von Kadavern, die sie in den Mastbetrieben und deren Mülltonnen gezählt haben, die Todesrate bei der Putenmast auf ungefähr zehn Prozent.

Unter solchen Bedingungen gedeihen Salmonellen bestens. Diese Krankheitskeime werden vor allem durch Kot übertragen. Verzehrt ein Mensch das Fleisch infizierter Tiere, gelangen die Salmonellen in seinen Körper. Rund zwei Millionen Deutsche erkranken jedes Jahr an Salmonellose aus Geflügelfleisch, mehr als 200 sterben daran. Doch nicht nur Geflügelesser sind gefährdet.

Putentransport

Für den größten Skandal hält Christina Sultan von Arche 2000, “dass durch die Putenmast gewaltige Mengen von Kolibakterien, Salmonellen und Pilzsporen gebündelt und in die Luft der Umgebung freigesetzt werden”. Noch 500 Meter von einer Mastanlage entfernt riecht man die Exkremente. Wie Messungen der Tierärztlichen Hochschule Hanno-ver zeigten, lassen sich in jedem Quadratmeter Luft bis zu eine Million Pilzsporen aus Stalleinstreu nachweisen.

Zum Vabanquespiel für die Gesundheit gerät der Genuss des Putenschnitzels auch durch Antibiotika. Das schnelle Wachstum kann nur mit Wachstumsbeschleunigern erreicht werden. Diese Antibiotika und Hormone baut der Organismus der Puten nicht völlig ab. Ein Teil gelangt beim Verzehr von Putenfleisch in den menschlichen Körper. Deshalb fordern wir für unser Naturschutz- und FFH-Gebiet Neandertal und die Umgebung: Keine Massentierhaltung mit heute schon absehbaren gesundheitlichen Problemen für die Zukunft und daher keine Genehmigung des Massenputenbetriebes in Mettmann ohne Umweltverträglichkeitsprüfung.

 

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Externe Links:

Arche 2000

Verein gegen tierquälerische Massenhaltung