VERKEHR

BUND-Umweltpreis für die Regio-Bahn

von Dr. Werner Reh

Am 29. März 2000 verlieh die BUND-Kreisgruppe Mettmann der RegioBahn den Umweltpreis 2000. Der Geschäftsführer der RegioBahn und des Verkehrs-verbundes Rhein-Ruhr, Herr Teubner, nahm den Preis während einer Sonderfahrt der RegioBahn entgegen. Die Laudatio hielt Dr. Werner Reh.

“Dass die RegioBahn irgendwann einmal umweltpreisverdächtig werden würde, überrascht vermutlich niemanden, seit die neuen Triebwagen September vergangenen Jahres ihren Dienst zunächst im Stundentakt aufnahmen. Denkt man aber zehn Jahre zurück, dann erscheint eine solche Ehrung ausgesprochen unwirklich. Denn damals glaubten selbst die hartgesottensten Optimisten nicht mehr an die Zukunft dieser Bahnstrecke. Wir selbst, ehrlich gesagt, auch nicht. Aber weil eben die Stimmung bei allen Freunden dieser Strecke damals am Tiefpunkt angelangt war, griffen wir vom BUND beherzt nach einem Strohhalm und fingen 1989 an, Unterschriften für die “Mettmanner Bahn” zu sammeln. Auch zuvor hatte es in Mettmann Aktionen für die Bahn gegeben, insbesondere von Paul Heinz Schuh (der frühere Mettmanner SPD-Vorsitzende).

Trotzdem wurde Ende der 80er Jahre klar, dass die Deutsche (Bundes-)Bahn “null Bock” auf die Mettmanner und Kaarster Strecke hatte. Sie hatte die Gleise und die Bahnhöfe jahrzehntelang konsequent herunter gewirtschaftet und für die “Entgleisung” bzw. die Abrissbirne vorbereitet. Paul Bohl, der bereits 3.500 Unterschriften in Kaarst gesammelt hatte, triezte uns damals so lange, bis wir auch in Mettmann damit anfingen und weitere Aktionen machten, um möglichst viele Politiker für die Bahn zu gewinnen. Ehrensache, dass wir in Mettmann ebenfalls 3.500 Unterschriften zusammen kriegen wollten. Das klappte dann auch. Eine Woche vor der Landtagswahl, am 4. Mai 1990 konnte ich dem damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau in Mettmann 7.000 Unterschriften überreichen.

Freilich ließ das die Bahn völlig ungerührt. Drei Wochen später sagte sie endgültig “Njet” und wollte alles still legen. Mit Hilfe einer 1990 gegründeten Bürgerinitiative “Pro Mettmanner Bahn” machten wir dann mit zahlreichen Aktionen noch zusätzlichen Druck in dieser schwierigsten Phase des Übergangs von der Bundesbahnlösung zur kommunalen Lösung. Zu danken ist für die massive Unterstützung in dieser Phase durch die BUND Ortsgruppe Mettmann die “Pro Bahn” Regionalgruppe Wuppertal und Frau Ev Dann von der Bürgerinitiative gegen die B 7n. Im August 1990 wurde das Gutachten für die kommunale Lösung in Auftrag gegeben. 1992 wurden die Weichen für die Gründung der regionalen Bahngesellschaft gestellt. Die Stadt Neuss bereitete bis 1993 dabei die größten Schwierigkeiten, was die Gründung einige Zeit verzögerte.

Entscheidend für das Gelingen des ersten kommunalen Bahnprojekts in NRW war, dass der damalige Landesverkehrsminister Zöpel (SPD) im März 1992 die Förderung der Infrastrukturkosten zu 90 Prozent und der Fahrzeugkosten zu 75 Prozent aus Landesmitteln für dieses bis heute in NRW einmalige kommunale Bahnprojekt zusagte, und dass diese Zusage auch von seinen Nachfolgern nicht in Frage gestellt wurde. Ebenso entscheidend war, dass sich der VRR damals in Person seines Geschäftsführers Professor Zemlin schon in der frühen Phase der Kommunalisierung für diese Strecke einsetzte und das Projekt unter die Fittiche des VRR nahm. Auch beim VRR gab es Kontinuität im Engagement für die RegioBahn nach dem Wechsel zu Herrn Teubner. Glück hatte die RegioBahn außerdem, weil sie einen vergleichsweise niedrigen Trassenpreis für die Mitnutzung der S-Bahn-strecke ab Düsseldorf-Gerresheim aushandeln konnte.

Für uns Umweltpolitiker passierte der Idealfall: Die Sache entwickelte sich irgendwie zum Selbstläufer, weil es mittlerweile genügend Promotoren dafür gab. Wir brauchten ab 1993 praktisch nichts mehr zu tun. Nur ab und zu schrieben wir mal einen Leserbrief, um unsere Existenz in diesem Kontext weiter zu beweisen. Drei weitere Dinge waren wichtig für den Erfolg des Projekts: die Gutachter entwickelten nicht nur technische und finanzielle Vorschläge, sondern kümmerten sich auch um die städtebauliche Integration es gab eine stabile Lobby für die Regiobahn im Landtag und im Verkehrsministerium (ich erwähne hier insbesondere Herrn Ministerialrat Wever) in den betroffenen Städten und in den Kreisen wurden die Haushaltsbeschlüsse und die Gesellschafterverträge mit großen Mehrheiten in trockene Tücher gebracht.

Max Weber hat zu Recht gesagt, Politik sei das “langsame und beharrliche Bohren dicker Bretter mit Leidenschaft und Augenmaß”. Die Projektbeteiligten auf allen Ebenen können sich deshalb zu Recht das Adelsprädikat des politischen Dickbrettbohrers anheften. Auch Widrigkeiten und Pannen konnten das Projekt nicht gefährden. Es ist leider noch für geraume Zeit im Bahnsektor unvermeidlich, die Kinderkrankheiten der Fahrzeuge jeweils auf dem Rücken der Kunden auszukurieren (das haben Bahnprojekte übrigens mit PC-Programmen gemeinsam – bei letzteren und im Gegensatz zur RegioBahn hören die Probleme allerdings nie auf).

Im Mai kann dann mit dem 20-Minuten-Takt und der Anpassung der Busse die Bahn ihr volles Potential entfalten. Wer dann noch mit dem Auto deutlich über eine halbe Stunde lang nach Düsseldorf fährt, statt in weniger als 20 Minuten entspannt in der Regio-Bahn dorthin chauffiert zu werden, muss schon irgendwie ein Rad ab haben. Dass alle Umweltargumente – Energieverbrauch, Flächenverbrauch, Lärm, Schadstoffemission, Stadt- und Sozialverträglichkeit – für die Bahn sprechen, insbesondere für solche leichten S-Bahnen wie die RegioBahn, brauche ich hier vor diesem geneigten Publikum nicht näher auszuführen. Für den BUND sind solche Projekte ein Symbol für eine zukunftsfähige bzw. nachhaltige Politik.

Die RegioBahn ist ein würdiger Träger des Umweltpreises der BUND-Kreisgruppe. Sie war nicht konkurrenzlos, es gab noch anderen Nominees, wie das auf neudeutsch heißt, in diesem Jahr. Aber die Tatsache, dass die Beratung kurz und die Entscheidung einstimmig war, spricht eben für die Durchsetzungsqualitäten der RegioBahn.

Ich komme zum Schluss. Drei Zukunftsaufgaben stehen an, um die angestrebten 16.500 (oder noch mehr) Fahrgäste pro Tag und Richtung zu erreichen: Einrichten und pünktliches Erbringen des vollen Betriebsprogramms und Fertigstellung aller städtebaulichen Projekte, Weiterführung der RegioBahn nach Wuppertal und nach Viersen, damit sie zu einer echten Regionalbahn wird, Entwicklung neuer Dienstleistungsangebote zusammen mit Unternehmen an der Strecke – zum Beispiel besonderer Zustellservice von IKEA-Kaarst für Bahnnutzer, Kombitickets etwa für Hotels, für das Neandertalmuseum, für Freizeiteinrichtungen wie den Kaarster See etc., die auch konsequent beworben werden. (Natürlich sollten auch alle Briefköpfe von Behörden, Unternehmen usw. in Bahnnähe Hinweise enthalten). Dann erscheint die Erreichung der ehrgeizigen Ziele gesichert, und es kann wirklich Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Denn darin liegt der eigentliche Sinn und Zweck dieses zukunftsfähigen Verkehrsprojekts.”

Weitere Informationen im Internet: www.regio-bahn.de