UMWELT & NATUR

Putenmast vor dem Aus?
Dieter Donner

Unser "Negativ-Umweltpreis" 2001 an die Stadtverwaltung Mettmann wegen des positiven Vorbescheides zum Bau von zwei großen Putenmasthallen für rund 15000 Puten hat eine schnelle Bestätigung erfahren. Die Stadt Mettmann zog auf ministerielle Anordnung den Vorbescheid zurück.

Die Anweisung des Städtebauministeriums, den Vorbescheid zurückzuziehen, konnten Kreis und Stadt Mettmann nicht länger ignorieren. Der Kreis hatte sich schon früher der Auffassung des Ministeriums genähert, dass es sich bei dem Bauvorhaben des Bauern Werner Einloos nicht unbedingt um ein privilegiertes Vorhaben handelt. Nunmehr hat der Kreis als obere Bauaufsicht die Anordnung an die Stadt Mettmann erteilt, den erteilten Vorbescheid zurückzuziehen und die Baugenehmigung für die Hallen zu verweigern. Die Haltung der Stadtverwaltung Mettmann, den Bescheid zurückzuziehen und trotzdem an ihrer Rechtsauffassung festhalten zu wollen, entlarvt sich als taktisches Manöver, unter dem auch der betroffene Bauer zu leiden haben wird. Da Werner Einloos unter diesen Umständen schlechte Karten hat, die Stadtverwaltung zur Rechenschaft zu ziehen, will er laut einem Bericht der “Rheinischen Post” vom 19. Januar jetzt die Klage auf das Land NRW ausdehnen. Einloos beruft sich darauf, dass er die Futtermittel erzeugen könne, die Anreicherung mit Zusatzstoffen allerdings extern vornehmen lassen wolle.

Mit dieser Argumentation ist er nicht gut beraten. Es ist ja gerade ein Teil des Skandals rund um die Putenmast, dass dem Futter unnatürliche und auch für den Menschen beim Verzehr gefährliche Mittel hinzugemischt werden. Von den unwürdigen Verhältnissen, in denen die Tiere und damit unsere Mitgeschöpfe gehalten werden, ganz zu schweigen. Ob sich bei all den Skandalen um die "herkömmliche" Fleischproduktion eine Investition in dieses Geschäft in Zukunft überhaupt noch lohnen wird, ist doch sehr fraglich. Zukünftig wird die Landwirtschaft sich nicht nur zu ökologischem Landbau entwickeln. Aber die Bauern werden sich mehr mit ihren Produkten und den Bedingungen der Produktion identifizieren müssen. Die Verantwortung kann nicht an dubiose Hersteller von Zusatzstoffen verlagert werden, denn das wirtschaftliche Risiko trägt bei jedem weiteren Skandal immer der Bauer selbst. Deshalb kann unser Rat nur sein: Weg von der industriellen Putenmast und hin zu einer natürlichen Landwirtschaft.