UMWELT & NATUR

Umweltpreis für "MUT"

 
Die Bürger im Hildener Norden hatten die Nase voll von der Totalbebauung ihrer Heimat: Anfang vergangenen Jahres gründeten sie die Initiative "Mit uns nicht", kurz "MUT". Für ihr Engagement erhielten sie am 5. April 2001 unseren Umweltpreis, überreicht im Gemeindesaal der evangelischen Friedenskirche. Die Laudatio hielt Götz Lederer.

 

DIE LAUDATIO

Guten Abend meine Damen und Herren!

Anfang Februar letzten Jahres war es soweit: Die Bürger im Norden der Stadt Hilden konnten nicht mehr zusehen, wie auch noch die letzten Stückchen Erde ihrer Stadt versiegelt werden sollten. Sie wollten etwas für ihr Umfeld tun. Für ihr Umfeld und das Umfeld ihrer Kinder und Enkel. Die immer wieder verteilten Flugblätter und vielleicht auch die Giesenheide-Spaziergänge, welche der BUND veranstaltet hatte, hatten bewirkt, dass es immer mehr Bürgern bewusst wurde, was hier im Norden der Stadt vernichtet werden sollte.

Es war eine bunt gemischte Truppe, die sich traf, um die Giessenheide vor der Bebauung zu schützen. Schnell und unkompliziert wurden die Probleme angegangen. Am 28.02.2000 gründete sich die Bürgerinitiative, die sich den zündenden Namen „Mit uns nicht“ oder kurz: MUT gab. Es kann wohl kaum einen besseren Namen für eine Bürgerinitiative geben, die sich vorgenommen hat, rollende Bagger aufzuhalten. Der Name, der schon fast Programm ist, wurde noch mit einem einprägsamen Logo versehen. Man hatte nur ein Ziel: Kein Gewerbegebiet in der Giesenheide!

Wichtig ist: Es waren ganz normale Bürger ohne Parteibuch , die sich zusammengeschlossen haben , um Ihre Meinung laut und deutlich zu sagen. Anfangs gab es noch viele Informationslücken. Welche Wege durchläuft ein Bebauungsplan, wo kann man Einfluss nehmen, woher bekommt man die wichtigen Informationen. Aber trotz dieser Defizite hatten schon die ersten Aktionen es in sich:

Die Aktion hatte mit der Giesenheide begonnen, aber es wurde den Aktiven schnell klar, dass die Probleme nicht auf die Giesenheide und den Hildener Norden begrenzt sind. Überall in Hilden wo es ein freies Plätzchen gibt, ist es gefährdet, sobald irgendein Bauträger sein Auge darauf wirft. Um die Initiative dauerhaft zu gestalten und durch ihre rechtliche Struktur zu stärken, wurde am 22. August 2000 der Verein MUT e. V. gegründet. Zweck des Vereins ist der Schutz der Natur- und Naherholungsflächen in Hilden und damit der Erhalt der Lebensqualität für die Hildener Bürgerinnen und Bürger.

Ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Grün- und Freiflächen in Hilden wurde gestartet. 2800 Unterschriften waren notwendig. Als die Unterschriften dem Bürgermeister übergeben wurden, waren es fast 4000!

Wie mit dem Bürgerbegehren umgegangen wird, ist ein Lehrstück aus der heutigen Politik: Das Bürgerbegehren soll jetzt nach der Verwaltungsvorlage mit formaljuristischen Gründen zu Fall gebracht werden. Wie der Bürgermeister mit den vielen Unterschriften umgeht, macht wieder einmal deutlich, welchen geringen Stellenwert Bürger für die Politiker haben: In Zeiten großer Koalitionen und absoluter Mehrheiten, in Zeiten in denen die Politik am Bürger vorbei gemacht wird, in Zeiten, in denen Entscheidungen nicht mehr in der öffentlichen Diskussion, sondern lieber im kleinen Kämmerlein getroffen werden, in diesen Zeiten bekommen Bürgerinitiativen einen unersetzlichen Wert für das Funktionieren der Demokratie. Wer sonst sollte absolut herrschenden Parteien noch sagen, dass Sie jedes Maß verloren haben.

Die Bürgerinitiative MUT e.V. hat sich mit viel Engagement gegen die totale Versiegelung nicht nur des Hildener Nordens gestemmt. Sie hat damit Hoffnung genährt, die Hoffnung, dass auch unsere Kinder noch eine lebenswerte Welt vorfinden können. MUT hat Mut gemacht! MUT hat sich in ganz besonderem Maße für Mensch, Umwelt und Natur verdient gemacht.

 


Kontakt zu "MUT":

Bürgerinitiative MUT e.V.
U. Probst
Regerstraße 6
40724Hilden
E-Mail: muthilden@altavista.de

Links:
Bürgerbegehren der MUT e.V.
MUT-Homepage: www.muthilden.de