UMWELT & NATUR

Prangenhauser Bruch – die Alternative

von Götz-R. Lederer

Die Stadt Wülfrath hat vorgeschlagen, am Schlupkothener Bruch einen industriegeschichtlichen und naturkundlichen Lehrpfad anzulegen. Sicher ist dabei vornehmlich an die Geschichte der Kalkindustrie gedacht.

Solche Pfade können durchaus attraktiv sein, sieht man sich zum Beispiel das Kalkmuseum in Rüdersdorf bei Berlin an. Dieses erfreut sich großer Beliebtheit, kann man hier doch Öfen früherer Zeit sehen und verfolgen, wie sich die Kalkindustrie entwickelt hat. Ein Naturschutzgebiet musste für das Freilichtmuseum nicht geopfert werden – die Zeugnisse der Industriegeschichte sprechen für sich selbst. Ob ein Naturschutzgebiet, das schon seit vierzig Jahren sich selbst überlassen ist, überhaupt dafür geeignet wäre, muss man bezweifeln: Sicher beeindruckt die Schönheit des Bruchs, aber durch einen zu großen Zulauf findet die Abgeschiedenheit und Ruhe ein abruptes Ende. Nein, als Industrielehrpfad ist es auf keinen Fall geeignet!

Ein viel besser geeignetes Grundstück befindet sich jedoch auf der anderen Seite von Wülfrath. Hier sind die Abbaugebiete noch nicht verlassen. Im Prangenhauser Bruch ist gerade erst der Abbau beendet, der neue Klärteich ist noch nicht lange in Betrieb. Auf den schon fast fertig rekultivierten Halden “Erholung”, “Fliethe” und “Riel” führen viele Wege durch schon seit vielen Jahren aufgeforstetes Gebiet. Das Gebiet kann der Erholung dienen, ohne dass Natur nachhaltig gestört wird. Die Verkehrssicherungspflicht wäre hier weitaus einfacher zu gewährleisten, und durch den Blick auf Kalkwerke, Kalksteinbruch und das neue Sedimentationsbecken wäre der Bezug zur Kalkindustrie direkt vor Augen. Mit direktem Blick auf die Kalkwerke könnte mit einfachen Mitteln das Zusammenspiel der verschiedenen Arbeitsvorgänge erläutert werden – informativ und unterhaltsam zugleich.

Die frühzeitige Nutzung der Halden Fliethe und Erholung als Erholungsgebiet stehen dem Herrichtungsplan der Kalkwerke nicht im Wege. Für spätere Zeiten sind die drei Halden zur Erholung vorgesehen. Die für die Rekultivierung vorgesehenen einheimischen Bäume wie Bergahorn, Esche, Buche und Eichen böten Ruhe und Erholung. Durch Hinweisschilder könnte der Aufbau dieses “Naturschutzgebietes aus Menschenhand” erklärt werden. Auf über fünf Kilometern Wanderwegen, die alle zum spazieren gehen einladen, fände der Besucher Erholung und anregende Unterhaltung durch die Lehrpfadgestaltung. Ein 230 Meter hoch geplanter Aussichtsplatz ermöglicht einen Blick direkt ins Schwarzbachtal und weit übers Bergische Land.

Dies alles sind keine Luftschlösser, sondern Teil der Herrichtungsplanung der Kalkwerke. Nur an einen Lehrpfad hatte man im Rahmen der Genehmigungsanträge natürlich noch nicht gedacht.