UMWELT & NATUR

Monopoly in Hilden
Traditionsreicher Sportplatz soll geopfert werden
Dieter Donner

Die Hildener Allgemeine Turnerschaft von 1864, kurz HAT, exisitiert seit mehr als 150 Jahren. Der Verein ist Eigentümer eines traditionsreichen Sportplatzgeländes in unmittelbarer Nähe zur Stadtmitte Hildens. Aus dem Wunsch des Vereins, auf dem Gelände mehr Sportmöglichkeiten zu bieten, wurde mittlerweile ein Bau-Monopoly. Von Sport ist kaum noch die Rede.

Die fünf Baukomplexe:

  1. Bauvorhaben neue Klinik auf dem HAT-Platz
  2. Wohnbauvorhaben auf dem restlichen Platz des HAT- Geländes
  3. Die Bebauung der Gärten, direkt anschließend an den HAT-Platz
  4. Das "neue" HAT-Zentrum auf dem Schulgelände der Fabry-Realschule
  5. Das frei werdende Gelände der "Klinik im Park”

Der Vorstand der HAT wollte zunächst nur einen Teil des Sportplatzes an den Betreiber der "Klinik im Park" verkaufen. Mit dem Erlös sollte auf dem restlichen Gelände eine Sport, Fitness- und Rehastätte gebaut und betrieben werden. Diesen Glauben haben die Hildener Baupolitiker dem Verein auch eine Zeit lang belassen. Aber wie das in Hilden mittlerweile so Brauch ist, scharrte der durch die Bauten unter Hochspannungsleitungen stadtbekannte Architekt Wegmann bereits mit den Hufen. Er hat vor, in unmittelbarer Nähe der neuen Klinik eine Fläche mit Wohnhäusern zu bebauen, die fast so groß wie die jetzige gesamte Sportplatzfläche ist. Also wurde der Bebauungsplan um eine entsprechende Gartenfläche angereichert.

Ein unmoralisches Angebot

Also gab es ein deutlich höheres Angebot an den Verein; so ist jedenfalls nach den neuen Entscheidungen anzunehmen. Aber damit noch nicht genug. Die Stadt Hilden beteiligt sich ebenfalls an diesem Monopoly. Denn ganz allein dem Verein wollte man den Erlös für das Sportplatzgelände nicht überlassen. Deshalb bot die Stadt dem Verein einen Ringtausch an: Er sollte seinen Grund an die Klinikbetreiber und den Hildener Architekten verkaufen und die Stadt verkauft im Gegengeschäft Grünfläche des Schulzentrums am Holterhöfchen an den Verein. Selbstverständlich darf keiner wissen, welche Preise gezahlt wurden, denn sonst könnte jeder berechnen, für wen sich der Deal am meisten lohnt.


Die Fabry-Realschule am Holterhöfchen

Die Stadt hat es dabei mit ihrer Planungshoheit in der Hand, völlig losgelöst von Stadtentwicklungszielen auf einem altehrwürdigen Sportplatz Beton zu vergießen. Das ist nach der Entscheidung zur Giesenheide ein weiterer Verstoß gegen die Ziele des Siedlungsdichtegutachtens und auch gegen das im Rat selbst beschlossene Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

In dem Gutachten aus dem Jahr 1997 wurden mögliche Entwicklungen Hildens und die Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit der Stadtentwicklung untersucht und bewertet. Dazu wurden drei Szenarien entworfen:

In keinem dieser drei Szenarien, noch nicht einmal im Szenario “Trend”, das weitere großzügige Versiegelung in Hilden unterstellt, hat der Gutachter diese Freifläche für bebaubar gehalten. Man könnte auch schlussfolgern, der Stadtverwaltung und den Mehrheitsfraktionen ist die Zukunft der Stadt völlig gleichgültig nach dem Motto "nach uns die Sintflut".


Noch wird die "Klinik im Park" ihrem Namen gerecht

Die Argumentation des Baudezernenten Maximilian Rech und des Bürgermeisters Günter Scheib in der Veranstaltung des Bürgerverein Nord wirkt unglaubwürdig: Man müsse die "Klinik im Park" an einen anderen Ort in Hilden umsiedeln, um diese Klinik in Hilden zu halten. Ein wirklich nachzuvollziehender Grund, der Venenklinik (Klinik im Park) zu gestatten auf dieser Freifläche neu zu bauen, ist nie richtig geklärt worden. Denn die neu zu bebauende Fläche unterscheidet sich nur unwesentlich von der Fläche, die der Venenklinik heute auf dem Parkgelände an der Hagelkreuzstraße zur Verfügung steht und die Verkehrsanbindung ist am jetzigen Standort besser.

Der Bebauungsplan zeigt es deutlich: Die Klinik wird ihren Namen als Firmenbezeichnung weiter tragen, aber nicht mehr wirklich eine "Klinik im Park" sein. Denn die vorgesehenen Bäume sind eher eine Abgrenzung zum geplanten Wohngebiet als eine Parkumgebung um die Klinik. Waren an dem bisherigen Standort die Bäume größer und höher als die Bauten, so soll das auf der neuen Fläche anders werden. Die Bebauung wird bis zu fünf Stockwerke hoch, wie die meisten neuen Bürobauten in Hilden.

Die Idee, an dieser bedeutenden Stelle der Hildener Innenstadt mit einem städtebaulichen Wettbewerb besser die Ziele einer guten Stadtplanung zu erreichen, kam offensichtlich keinem der Verantwortlichen. Solch ein Wettbewerb könnte zu einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung und mit einer effektiven Beteiligung der Bevölkerung eine hohe Identifikation mit der Entwicklungsidee für dieses Gebiet erreichen. Der Vorschlag eines Bürgers wurde nicht ernsthaft erwogen.

So wurden wieder ausschließlich ein an Einzelinteressen orientierte Vorschläge präsentiert und die Bürger aufgefordert, dies zu schlucken. Wie konzeptionslos die Stadtverwaltung mit solchen Planungen umgeht, zeigt folgende Begebenheit. Auf der Veranstaltung des Bürgerverein Nord zu der Bebauung des HAT-Platzes wurde ein Expose der neuen Klinik herumgezeigt. Offensichtlich hatten weder der übermittelnde Baudezernent noch der Bürgermeister bemerkt, dass die dort bebilderte Planung sich mit weniger Stockwerken präsentierte als der offiziell vorgestellte Bebauungsplan.

Unerwünschte Wohnbebauung

Hatte sich für den Klinik-Bau kein Bauherr oder Architekt gefunden, der diese Bebauung vor den Bürgerinnen und Bürgern in der Veranstaltung vertreten wollte, so wurde dem bereits erwähnten Architekt Wegmann Möglichkeit gegeben, sein Projekt in epischer Breite darzulegen. Dabei konnte der Zuhörer sich nur wundern; denn der Architekt schien seine eigenen Entwürfe nicht zu mögen. Diese Meinung teilte er allerdings mit der Mehrzahl der Anwesenden.

Die in dem Bürgerbrief erhobene Forderung des Bürgervereins nach Umwandlung den nicht von der Klinik beanspruchten Teil des Grundstücks in einen dringend notwendigen Stadtteil-Park umzuwandeln, traute sich der Vorstand nicht zu artikulieren, obwohl es sich im Bürgerbrief ganz anders anhörte. Die unmittelbaren Anwohner, die auch nur Kritik anzudeuten versuchten, wurden mit den "kaufmännischen" Argumenten des wertvollen und hochpreisigen Grundstückes abgespeist. Von den verschiedenen Varianten des "städtebaulichen Entwurfs" wurde nur einer vorgestellt. Zusätzlich war das Bemühen des Architekten zu spüren, doch noch dichter und rentabler bauen zu wollen und dabei möglichst viele Belastungen (Verkehr und Erschließung) auf die Allgemeinheit abzuwälzen.

Der Trick der Verwaltung war durchsichtig, aber leider wirksam: der Architekt wurde mit seinen Sorgen und Nöten ins Rennen geschickt und die Anwohner verbissen sich in das Lieblingsthema aller Bürgervereine, nämlich ob die Parkplätze ausreichen. Mit diesen Argumenten ist aber kein Grün zu retten, sondern nur mit konsequenter Forderung nach Schluss der Bauwut, wie dies im Bürgerbrief formuliert war.

Das "neue HAT-Zentrum"

Für das neue Zentrum soll durch die Stadt Hilden an die HAT ein Grundstück von 6600 qm aus dem knappen Bestand an Flächen für Gemeinbedarf – hier genutzt von der Fabry-Realschule – verkauft werden. Durch dieses Geschäft hat die Stadt Hilden auf den Ausverkauf von Grünflächen durch die HAT noch draufgesattelt. Das Gelände ist, wie dem Luftbild zu entnehmen, heute eine grüne Oase. Hier beabsichtigt die HAT ein Gebäude auf 2024 Quadratmeter Fläche zu errichten. Zusätzlich sollen 52 Parkplätze, zwei Beach-Volleyballplätze und eine Kletterwandanlage entstehen.

Für das Gebäude beabsichtigt der Verein ein Bistro, zwei Gymnastikräume mit Geräteräumen, zwei Saunen mit Ruhe- und Abkühlraum, dazu Umkleideräume mit Duschen, Clubräume, Büros und Konferenzraum. Diese Einrichtungen sind für das Erdgeschoß vorgesehen. Eine darüber hinaus geplante Nutzung des Obergeschosses geht aus den Plänen nicht hervor. Das Gebäude soll zwischen Friedhof, Fabry-Turnhalle und die vorhandene Hausmeisterwohnung reingezwängt werden. Der Abstand zum Friedhof soll nur noch vier Meter betragen, an die Turnhalle und an die Hausmeisterwohnung soll direkt angebaut werden. Dabei soll über die Küche der Hausmeisterwohnung ein Zugang zum HAT-Gebäude geschaffen werden. Was das wohl soll? Das Gebäude soll 7,70 Meter hoch werden; das ist etwas höher als die Fabry-Sporthalle. Wohl gemerkt, das alles in vier Meter Abstand zum Hildener Hauptfriedhof!

20 Bäume sollen dem Bauwerk zum Opfer fallen, außerdem ist Buschwerk zu roden. Die verkehrliche Erschließung soll über die Pungshausstraße erfolgen. Diese Straße ist mit der Zufahrt zur Fabry-Realschule und das Helmholtz-Gymnasium und die Nähe zum Berufsschulzentrum schon über die Grenzen hinaus belastet. Eine Bürgerbeteiligung oder ein Bebauungsplanverfahren ist hierfür bisher nicht vorgesehen.

 
Flächenbilanz

Machen wir eine Flächenbilanz der angestrebten Baumaßnahmen auf, dann ergibt diese folgendes Defizit:

 

HAT-Platz

minus
16000 qm
 

Gartenflächen

minus
4000 qm
 

HAT-Sportpark

minus
6600 qm
 

Gesamt

minus
26600 qm
 

Aufforstung Ausgleich

800 qm
 

Flächendefizit

minus
25800 qm


Unsere Forderungen

  1. Die Stadt muss aufhören, die fehlenden Gelder für weitere städtische Baumaßnahmen durch Ausverkauf städtischen Grundvermögens unsolide zu finanzieren!
  2. Innerstädtische Grün- und Freiflächen müssen erhalten werden, da bei steigender Innenstadt-verdichtung sich auch steigende Ausgleichsnotwendigkeiten ergeben!
  3. Knappe Flächen für den Gemeinbedarf dürfen nicht bedenkenlos verschleudert werden!
  4. Es ist eine langfristige Flächenplanung auf der Grundlage des nachhaltigen Szenarios des Siedlungsdichtegutachtens überfällig!
  5. Bezirksregierung und Kreis Mettmann dürfen keiner Bebauung von Freiflächen in Hilden mehr zustimmen, soweit kein gleichwertiger, flächenmäßiger Ausgleich in Hilden angeboten wird!