LANDWIRTSCHAFT

Umweltklops 2001 für die Stadtverwaltung Mettmann

 

In der Geflügelmast ist Tag für Tag Qual angesagt. Die hochtechnisierte Truthahn-Produktion ist noch schlimmer als die der malträtierten Masthähnchen und ähnlich schlimm wie die bisher zulässige Käfig-haltung der Legehennen. Zwar auf dem Boden, aber in drangvoller Enge, beinahe auf- und übereinander, sitzen die Truthähne und Truthennen in Mastanstalten ein.

Der Horror in den Mastanlagen hat schlimme Folgen für Mensch und Tier. Die enge Haltung führt zu Krankheiten. Um die Tiere am Leben zu halten, bekommen sie Medikamente: Beruhigungsmittel, wachstums-beschleunigende Hormone und Antibiotika. Viele Tiere überleben die Tortur nicht, die Kadaver verwesen inmitten der Puten, die später auf dem Teller landen. Tierschützer schätzen anhand von Kadavern, die sie in den Mastbetrieben und deren Mülltonnen gezählt haben, die Todesrate bei der Putenmast auf zehn Prozent.

Unter solchen Bedingungen gedeihen Salmonellen bestens. Diese Krankheitskeime werden vor allem durch Kot übertragen. Verzehrt ein Mensch das Fleisch infizierter Tiere, gelangen die Salmonellen in seinen Körper. Rund zwei Millionen Deutsche erkranken jedes Jahr an Salmonellose aus Geflügelfleisch, mehr als 200 sterben daran.

Die Antibiotika sind bis zum Schlachten auch nicht völlig abgebaut. Immer mehr Ärzte warnen vor den schweren Folgen von Antibiotika-Resistenzen, die durch den Genuss des Fleisches bewirkt werden.

Der größte Skandal ist, dass durch die Putenmast gewaltige Mengen von Kolibakterien, Salmonellen und Pilzsporen gebündelt und in die Luft der Umgebung freigesetzt werden. Noch 500 Meter von einer Mastanlage entfernt riecht man die Exkremente. Wie Messungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigten, lassen sich in jedem Quadratmeter Luft bis zu eine Million Pilzsporen aus Stalleinstreu nachweisen. Eine Anlage mitten im Naherholungsgebiet Neandertal ist daher besonders verwerflich. Was nicht über die Luft in die Umgebung gelangt schädigt den Boden oder das Grundwasser.

Eine Kommune hat die Aufgabe, ihre Bürger möglichst vor all diesen Gefahren zu schützen. Verantwortlich für die Genehmigung der Putenfabrik im Neandertal ist die Stadtverwaltung Mettmann. Diese hat schon bei der Bauvoranfrage geschlampt und wesentliche Kriterien bei der Voranfrage nicht geprüft. So wurde die Nähe zum FFH-Gebiet nicht berücksichtigt, und auch nicht geprüft, ob die Umweltverträglichkeit nachgewiesen werden muss.

Die Stadtverwaltung Mettmann war aber auch danach nicht in der Lage, sich vom fehlerhaften Vorbescheid zu distanzieren, wahr-scheinlich weil man Regressforderungen fürchtete. Sie ist von Ihrer menschen- und tierverachtenden Vorgehensweise auch nicht abgerückt, als sie vom Ministerium für Städtebau die Auflage erhalten hat, den Bauvorbescheid zurückzuziehen.

Eine Stadtverwaltung, die zuerst fahrlässig, dann mit voller Absicht in Kauf nimmt, dass Bürger geschädigt werden, hat zu Recht den Umweltklops 2001 der BUND-Kreisgruppe verdient.