NATUR & UMWELT

Hirschkäfer in Heiligenhaus - Schutz ist bitter nötig
von Christa Reißner

Der Hirschkäfer ist eine sehr selten gewordene Art in Europa und vor allem in Nordrhein-Westfalen. Um diese Arten in der europäischen Fauna und Flora zu schützen, wurden jetzt Gebiete europaweit unter Schutz gestellt. Diese Gebiete werden als FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitate ) bezeichnet.

Um diesen Lebensraum der Hirschkäfer in diesen Schutz einzubinden, wurde im Jahr 2000 von den Naturschutzverbänden und von Spezialisten für Käferkunde - der COLEO, Radevormwald das Gebiet Fuchslochtal- Siepener Bachtal als FFH-Gebiet an die Bezirksregierung Düsseldorf angemeldet. Trotz eines der größten Hirschkäfervorkommen wurde das Gebiet in Heiligenhaus-Isenbügel nicht als ganzes FFH-Gebiet bei der EU gemeldet.

Beide Bachtäler sind seit Jahrzehnten ein wichtiger Lebens- und Reproduktionsraum für Hirschkäfer. Die COLEO startete , unter Mithilfe des Isenbügeler Naturschützers Lappann eine umfassende Befragung der Bevölkerung in der nahen Wohnbebauung, um zu einer genauen Bestandserfassung zu kommen. Das ist auch in vollem Umfang gelungen. Innerhalb von zwei Monaten wurden 26 überprüfte Meldungen dokumentiert. Dabei wurden 63 Hirschkäferfunde gesichert beobachtet. 45 Männchen standen 18 Weibchen gegenüber. Geht man von einem "Beobachtungsfaktor" von fünf bis zehn Prozent aus, das heißt, es werden nur jeder zehnte bis zwanzigste Hirschkäfer des tatsächlichen Individuenbestandes gesichtet, so wird von einem Gesamtbestand von etwa 600 Hirschkäfern auszugehen sein. Damit gehört die Hirschkäferpopulation in Heiligenhaus-Isenbügel neben dem Diersfordter Forst im Kreis Wesel zu den größten bekannten Vorkommen in Nordrhein-Westfalen.

Wie enttäuscht waren wir daher, als wir erfahren mussten, dass von der Bezirksregierung nur die Hälfte des Lebensraumes, nämlich nur das Fuchslochbachtal, nicht aber das Siepener Bachtal als FFH- Gebiet nach Brüssel gemeldet wurde. Der Grund, so erfuhren wir, lag wohl darin, dass das Siepener Bachtal erst nach der vorgeschriebenen ersten Offenlage zum Schutz angemeldet wurde. Die Ausdehnung des Lebensraumes für den Hirschkäfer und andere Käfer über dazwischenliegendes Waldgebiet wurde erst später erkannt. Eine erneute Offenlage mit dem erweiterten FFH-Gebiet wollte die Bezirksregierung aus Zeitgründen nicht durchführen. Man war bekanntlich mit den Meldungen an die EU ohnehin in erheblichem Verzug. Offen bleibt, ob eine Erweiterung des Gebietes auch ohne erneute Offenlegung möglich gewesen wäre, da die Eigentümerin des Waldes die schriftliche Einwilligung zur Unterschutzstellung gegeben hat.

Um aber jetzt dennoch den notwendigen Schutz für die Hirschkäferpopulation in diesem Gebiet zu erreichen, haben wir einen Antrag auf Ausweisung als Naturschutzgebiet gestellt. Dies war im Zusammenhang mit der Überarbeitung des Landschaftsplanes für den Kreis Mettmann jetzt der nächste mögliche Verfahrensschritt. Die Bezirksregierung und die untere Landschaftsbehörde beim Kreis Mettmann unterstützen diese Schutzausweisung, so dass wir guter Hoffnung sind. Das besonders, weil auch im Gebietsentwicklungsplan der Bereich als Bereich für den Schutz der Natur vorgesehen ist.


Der Hirschkäfer (Lucanus cervus)

Diesen größten heimischen Käfer - die Männchen werden bis zu vier cm groß - leben vor allem in Beständen alter Eichen. Dort findet man ihn oft an Stellen von ausfließenden Baumsäften. Er fliegt im Juni bis Juli. Dabei fallen die Männchen in den Dämmerungsstunden in lichten Wäldern und am Waldrand wegen ihres schwerfälligen Schwärmfluges leicht auf. Die sich in fünf bis sechs Jahren entwickelnden Larven leben häufig in Eichenstubben, das ist sogenanntes Totholz, das nicht weggeräumt wird. Mit dem Rückgang dieser Bäume ist der Käfer selten geworden. Da der Hirschkäfer ein begehrtes Sammlerobjekt darstellt, wird der Bestand auch aus diesem Grund weiter dezimiert. Das Bild (aus “Knaurs Großer Naturführer”) zeigt den Rivalenkampf zweier Männchen. Diese versuchen, sich mit ihren "Geweihen" gegenseitig aus dem Stand zu heben und von dem Ast herunterzuwerfen.