MENSCH & TECHNIK

Handys - das unterschätzte Risiko
von Götz-R. Lederer
50 Millionen Handys gibt es mittlerweile in Deutschland. Doch immer mehr Menschen machen sich Sorgen, dass sie sich einer viel zu hohen Strahlenbelastung aussetzen. Bürgerinitiativen machen vor allem gegen Handy-Masten mobil.

Aber nicht nur Bürger, auch die Fachleute plädieren für deutlich niedrigere Grenzwerte als sie heute in Deutschland gelten. Welche Gesundheitsgefährdung diese Strahlung auslösen kann, ist bisher unter Wissenschaftlern umstritten. Doch die Kritiker dieser Technik werden mehr und mehr gehört.

Baubiologe Martin Wörnich sieht das Problem so: Die Strahlung ist bei Handys sehr nah am Menschen und exakt gepulst. Sie wirkt dabei nicht wie gleichmäßiges Zimmerlicht, sondern mehr wie flackernde Disco-Licht-Kanonen. Hinzu kommt: die Sendemasten im Dienste der Handy-Anbieter strahlen 24 Stunden am Tag. Egal, ob jemand telefoniert oder nicht.

Forscher gehen davon aus, dass die Strahlung die Hirnströme verändert. Auch deutlich höhere Krebsraten seien möglich, Veränderungen im Schlaf- und Traumverhalten sind schon jetzt zu beobachten. Eine Messung, die Wörnich selbst durch geführt hat, belegt: die Mobilfunk-Basisstationen des D- und E-Netzes verursachen die stärksten Strahlungsdichten aller Funkdienste, stärker als Fernsehen, UKW oder Flugnavigation.

In Düsseldorf gibt es mittlerweile 300 Standorte mit je 1 bis 4 Masten. In ganz Deutschland stehen schon jetzt 60 000 Sendemasten. Mobilfunkbetreiber sind gesetzlich nicht verpflichtet, alle Standorte ihrer Sendeanlagen vorher anzumelden. Denn nur ein Sendemast ab 10 Metern Höhe ist genehmigungspflichtig.

Bisher hat keine Stadt im Kreis Mettmann die Standorte und Ausstrahlungen der Sendemasten in ihrem jeweiligen Stadtgebiet öffentlich gemacht. In Hilden (mit 57 000 Einwohnern) gibt es mittlerweile zwischen 30 und 40 Funkmasten sein. Einige dieser Sendeanlagen sind getarnt an Fabrikschornsteinen oder an sonstigen Aufbauten in oder an Gewerbe- und Wohnbauten angebracht.

Mit der jetzt neu startenden Offensive zum Aufbau der Masten für den UMTS-Betrieb sind alleine in Düsseldorf noch einige hundert neue UMTS-Sendeanlagen in Planung - unter der Hand spricht man von ca. 500 zusätzlichen Stationen. Dies ist bei der UMTS-Technik auch vorgegeben, da wegen der höheren Datendichten nur geringere "Reichweiten" möglich sind. Das bedeutet im Klartext entsprechend mehr Sendeanlagen auf der gleichen Fläche.

Immerhin beschäftigt sich der Kreis Mettmann nun mit der Problematik: auf Antrag der Grünen sollen die Betreiber von Mobilfunknetzen kontaktiert werden, um mit ihnen die Standorte von zukünftigen UMTS-Sendestationen abzustimmen. Dr. Axel Zweck, Mitglied der Grünen im Fachausschuß des Kreistages für Ordnungsangelegen-heiten, betont, die Anbieter seien zur Zusammenarbeit bereit. Eine Vereinbarung mit den kommunalen Spitzenverbänden sichert den Städten die Einbindung beim Aufbau der Netzinfrastruktur zu.


Ein Beispiel für viele

Hausmeister Friedrich Schäfer und seine Familie haben einen Höllentrip hinter sich. Zwar konnten sie von ihrer Wohnung auf dem Flachdach des Rathauses von Ratingen einen herrlichen Blick auf die Umgebung genießen, aber sie sahen dort auch, und zwar in nur drei Meter Entfernung, zwei Sendeanlagen: eine des Funkrufdienstes Quix und eine des Mobilfunknetzes E-Plus. Kurz nach Installation des E-Plus-Senders im August 1997 begannen die Beschwerden. Die ganze Familie klagte über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen. Der achtjährige Sohn schlief nicht nur schlecht, er schlafwandelte auch und wurde mit Schmerz-und Schlafmitteln behandelt. Selbst Hund Oscar schien zu leiden. Die Laborwerte des Blutes bei Mensch und Tier verschlechterten sich immer mehr, bis der Hausarzt feststellen musste, dass der Zustand seiner Patienten "äußerst kritisch" sei. "Es ist", befand er weiter, "davon auszugehen, dass das mit der Funkanlage zusammenhängt." Diese Vermutung bestätigte sich, denn nach einem Wohnungswechsel waren sämtliche Beschwerden wie weggeblasen.

Aus Wolfgang Minaty: "Gefährlicher Pulsschlag. Report: ist Mobilfunk gesundheitsschädlich?", http://www.buergerwelle.de

 

 

 

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Vorsicht, Strahlung
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