UMWELT & NATUR

Wülfrather Fantasien
von Götz-R. Lederer

Drei Kriterien gibt es für den Verkaufswert eines Wohnhauses: erstens die Lage, zweitens die Lage und drittens die Lage. Streng nach diesen Kriterien ist der alte Sportplatz in Wülfrath ideal gelegen, nur Minuten von der Innenstadt und einigermaßen ruhig. Von einem dringenden Wohnraumbedarf in Wülfrath kann jedoch kaum die Rede sein: Die Einwohnerzahl stagniert seit Jahren, trotz intensivster Bauanstrengungen. Dennoch soll der alte Sportplatz mit Wohnbebauung zugepflastert werden.

Allerdings liegt das Gelände auch für den Sport sehr günstig, befindet es sich doch nicht nur zentral in der Stadt, sondern ist auch von fünf Schulen in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Ganz modern ist er nicht mehr, immerhin hat man ihn ja jahrelang verlottern lassen, aber für ein paar hunderttausend Euro hätte er für Jahre hinaus allen Anforderungen genügt.

Aber man wollte lieber träumen. Ein neuer Sportplatz mit drei Plätzen! Endlich einen Rasenplatz! Alle Möglichkeiten, Sport zu treiben, mögen sie auch noch so exotisch sein. Kein Wunder, wenn manchem Sportler das Wasser im Munde zusammen läuft. Politisch war die Abstimmung kein Problem, regiert in Wülfrath doch eine große Koalition aus CDU, SPD und FDP. Für den historischen Sportplatzbau wollte man aber auch die Grünen mit im Boot haben. Mit der Versprechung, auf dem Platz ökologisch zu bauen, brachte man auch diese dazu, für den neuen Sportplatz zu stimmen. Nur die DLW mochte nicht so recht auf den Sportplatz springen, aber was macht's?

Es gab immer noch ein paar ganz hartgesottene, welche die Begeisterung für den neuen Platz nicht ganz teilen konnten, da ihnen die begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Stadt bekannt waren. Diese konnte man aber mit dem Argument beruhigen, dass mit dem Verkauf des alten Platzes leicht der neue zu bezahlen sei. Für die notorisch skeptischen hatte man noch das absolute Totschlagargument, dass der alte Sportplatz wegen eines Vergleichs nur eingeschränkt nutzbar sei. Alles sprach also für die Verlegung in die freie Natur Zumindest auf den ersten Blick. Aber wenn man in Ruhe die Argumente prüft, fallen einem doch einige Ungereimtheiten auf. Gehen wir deshalb die Punkte doch einmal in Ruhe durch:

Noch ein kleiner Nachtrag: Alle Städte stöhnen über Geldmangel und fordern Reformen, die ihnen mehr Geld in die Kassen spülen soll. Auf die Idee, dass sie selbst ein gutes Stück weit an der Misere schuld sind, kommt niemand.