UMWELT & NATUR

Euroga 2002: Naturschutz oder Erlebnispark?
von Götz-R. Lederer

Eigentlich müßte man meinen, dass ein Umweltschützer begeistert ist, wenn er von den Zielen der Euroga 2002 plus (siehe Kasten am Ende) hört: Geplant ist, eine dezentrale Gartenschau einzurichten, die sich über die gesamte Region verteilt.

Auch viele Städte des Kreises Mettmann haben Projekte angemeldet. Die Region soll wirtschaftlich gestärkt und gleichzeitig die Natur gefördert werden. Dennoch haben wir unsere Bedenken. Eine Gegend attraktiver zu gestalten zieht unweigerlich Verkehr nach sich. Der Erholungsdruck auf die verbliebenen Flächen wird noch größer. Andererseits kann man der Bevölkerung nicht verwehren, sich in den Freiräumen zu erholen, schon gar nicht, wenn man gleichzeitig fordert, dass der Bürger sich nicht ständig ins Auto setzt um seine Erholung möglichst weit entfernt zu suchen. Der Kreis Mettmann ist nun mal für die umliegenden Großstädte Erholungsgebiet.

Will man diesem Anliegen Rechnung tragen, dann ist es sinnvoll, die Besucherströme zu lenken. Wird die Besucherlenkung richtig durchgeführt, kann die Belastung der Landschaft sogar abnehmen, obwohl mehr Besucher kommen. Die Euroga-Projekte stellen also durchaus auch eine Chance dar, Erholung in Bahnen zu lenken und somit dem Bedürfnis nach Zerstreuung nachzukommen, ohne Natur zu beeinträchtigen. Niemand will den Bürgern aus der Stadt ihre Erholung verwehren, es gibt viele Flächen im Kreis, die attraktiv für den Erholungssuchenden, aber wenig problematisch für die Natur sind. Ein Fuß- oder Fahrradweg, der vom Bach abbiegt und durch die oft malerischen Städtchen des bergischen Landes geht, kann weitaus interessanter sein, als wenn er sich kilometerlang am Ufer des Baches festklammert.

Es versteht sich wohl von selbst, dass für die Euroga-Projekte keine empfindliche Gebiete in Frage kommen – oder will man die Natur schützen, indem man Menschenmassen hindurch jagt? Wir können nicht verstehen, wenn die letzten einigermaßen ungestörten Gebiete einem künstlich erzeugten Massentourismus geopfert werden sollen.

Der BUND hat schon zu Beginn der Euroga deutlich gemacht, dass er sich der Euroga nicht verweigert. An dem Projekt von Ratingen hat sich der BUND aktiv beteiligt. Wir wollen aber verhindern, dass wertvolle Gebiete überlastet werden. Daher haben wir schon 1998 Kriterien aufgestellt, nach denen die Eurogaprojekte unsere Zustimmung finden können und diese auf der Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz, Landschaftspflege und Naherholung am 24. September 1998 vorgetragen.

Im wesentlichen ging es uns um folgende Punkte:

Darüber hinaus wurde auch vorgeschlagen, Wege einzugrünen, weil dadurch auch Wege durch intensiv genutzte Ackerflächen für Wanderer reizvoller sind und die Benutzung nicht so abhängig von der Jahreszeit ist. Auf diese Weise sollte erreicht werden, dass sich dem erholungssuchenden Wanderer mehr Gebiete eröffnen, die ansonsten etwas öde und wenig einladend sind. Wir sahen durchaus die Möglichkeit, uns mit der Euroga zu arrangieren. Leider sah die Wirklichkeit anders aus. Nicht weniger attraktive Gegenden wurden aufgemöbelt, sondern die Schönheiten der Landschaft sollten vermarktet werden. Das Neandertal sollte mit Kunstwerken aufgewertet werden, im Mettmanner Stadtwald wurden alte wertvolle Bäume schon abgehackt, bevor man sich über die Maßnahmen überhaupt klar war. In Wülfrath sollte das Naturschutzgebiet “Schlupkothen” geopfert werden. Den Naturschützern wird vorgeworfen, unfähig zum Kompromiss zu sein. Bei einem Flächenanteil der Naturschutzgebiete von zwei Prozent kann es aber keinen Kompromiss mehr geben. Wir sind durchaus für Naherholung. Wir können aber nicht verstehen, wenn die letzten einigermaßen ungestörten Naturschutzgebiete einem künstlich erzeugten Massentourismus geopfert werden sollen. Als Besuchermagnet eignen sich Naturschutzgebiete sowieso nur kurze Zeit. Mit dem Verschwinden der letzten seltenen Arten die von den zusätzlichen Besuchern endgültig vertrieben worden sind, hat das Naturschutzgebiet seine einzigartige Anziehungskraft nur zu schnell endgültig verloren.

Die Euroga ordnet sich in Konzeption und Ausführung in den Rahmen der AGENDA 21 ein:

  • Freiräume müssen gesichert und die Landschaft geschützt werden, um den Artenverlust zu stoppen.
  • Es werden fast ausschließlich bestehende Gebäude, Anlagen und Gewässer genutzt und aufgewertet, anstatt einer Vielzahl neuer Gebäude oder Parkanlagen zu erstellen.
  • Die Erschließung im Umweltverbund wird massiv gefördert, um die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs im freizeitbereich zu brechen. Der sanfte Tourismus als Wirtschaftsfaktor wird entwickelt.
  • Landschaft und Kultur werden ganzheitlich begriffen und präsentiert.