ENERGIE & WIRTSCHAFT

Brennstoffzelle ist keine Konkurrenz für die Blockheizkraftwerke

Bericht vom BAK Energie am 21.4.2001 in Frankfurt
von Götz-R. Lederer


Kraft Wärme-Kopplung ist die effektivste Möglichkeit, Energie zu nutzen. Während ein Generator Strom erzeugt, wird die dabei immer anfallende Wärme direkt genutzt und zwar nicht nur zur Heizung sondern in noch stärkerem Maße für Prozesswärme in der Industrie. Leider ist in den letzten Jahren diese effektive Stromerzeugung mit gleichzeitiger Nutzung der Abwärme immer mehr abgebaut worden.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hatte die Rot-Grüne Koalition vor, eine Mindestquote für Kraft-Wärme-Kopplung vorzuschreiben. Die großen Energieversorger mit Ihren Großkraftwerken, welche bis zu zwei Dritteln der Energie sinnlos und umweltschädigend in die Luft blasen, sehen in der Einführung einer Quote eine massive Gefahr für ihr Geschäft. Da es keine Gründe gegen die Kraft-Wärme-Kopplung gibt, bedienten sich die Stromversorger bei ihrer Argumentation eines Tricks. Sie schrieben: "Eine KWK-Quote ist kontraproduktiv für technologische Fortentwicklungen, weil sie unter Festschreibung der heutigen, konventionellen Techniken Überkapazitäten schafft und damit in wenigen Jahren erst marktreifen, innovativen neuen Technologien wie der Brennstoffzelle das unter anderen Rahmenbedingungen entstehende Marktpotenzial abschnürt".

Also: Verzicht auf Kraft-Wärme-Kopplung, um auf die Brennstoffzelle zu warten. Ist es tatsächlich so, dass die heute erprobte Technik die Brennstoffzelle, von der sich ja auch Umweltschützer einen Fortschritt in der Wasserstofftechnik versprechen, behindern oder gar verhindern kann?

Die Bundes-Arbeitskreis Energie hat sich dieser Fragestellung in einem Workshop gestellt und dazu illustre Befürworter der Brennstoffzellentechnik eingeladen, unter anderem Herrn Klinder, den Projektleiter Brennstofftechnik der Firma Vaillant, die auf der Hannover-Messe die erste Anlage öffentlich betrieben hat. Es war schon verschiedentlich in der Zeitung erwähnt, dass die ersten Anlagen schon 2003 in Betrieb gehen könnten. Gerade von diesem Beitrag hatte man sich Aufschluss erhofft, wie die Brennstoffzelle einzuschätzen ist. Herr Klinder stellte in seinem Vortrag die Vorteile der dezentralen Stromerzeugung gegenüber der Stromerzeugung in Großkraftwerken dar. Während des ganzen Vortrags konnte man aber nicht erkennen, welche Vorteile denn die Brennstoffzelle gegen die heute erprobte motorbetriebene dezentrale Stromerzeugung hat. Die Antwort auf diese Frage blieb Herr Kindler leider auch schuldig, als Professor Dr. Traube diesen Punkt ansprach. Warum die Brennstoffzelle von den großen Stromerzeugern so hofiert wird, konnte er sich auch nicht erklären. Man muss leider vermuten, dass ein Grund für die positive Haltung der Elektrizitätswirtschaft zur Brennstoffzelle ist, dass sie auf absehbare Zeit nicht einsatzbereit ist und damit keine Gefahr droht.

Auf dem Workshop konnte man folgende Eckpunkte herausarbeiten.

  1. Die Brennstoffzelle kann einen positiven Beitrag zur rationellen Energieversorgung leisten, da sie unter Umständen einen höheren Prozentsatz elektrischer Energie liefern kann, was vor allem wichtig ist, wenn weniger Wärme gebraucht wird.
  2. Die Brennstoffzelle ist noch lange nicht marktreif!
  3. Die Brennstoffzellen-Technik - vor allem den Brennstoff verwertbar zu machen - ist aufwändig!
  4. Die Vorteile der Brennstoffzelle gegenüber motorbetriebenen Generatoren sind nur gering!
  5. Brennstoffzelle und motorbetriebne Anlagen werden sich nicht verdrängen, sondern je nach Nutzung ergänzen!

Fazit: Es sollte eine KWK-Quote und eine Weiterentwicklung der Brennstoffzellen-Technik parallel geben, um für die Umwelt und die wirtschaftliche Entwicklung das meiste herauszuholen.

 

Siehe auch: RWE torpediert KWK