TECHNIK - WIRTSCHAFT - ENERGIE

Neubau L 239 - pro & contra
von Jürgen Lindemann

Kontra: Ines Weimer-Henß, BUND Ortsgruppe Ratingen

BUNDnessel: Welche Umweltgesichtspunkte sprechen für den BUND gegen den Neubau der Straße?

Weimer-Henß: Der BUND ist gegen den Neubau der L 239 auf der bisher geplanten Trasse, da es sich bei dem betroffenen Gebiet um einen weitgehend intakten Landschaftsbereich mit verschiedensten Biotoptypen handelt. Die geplante Trasse würde das wie mit dem Lineal gezogen durchschneiden, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, was für eine Geländemorphologie vorhanden ist. Das heißt also, es müssten Teilbereiche abgeschoben, kleine Täler zugeschüttet und über größere Einschnitte die Straße aufgeständert werden. Damit wären große Erdbewegungen nötig. Hierbei werden zum Teil ein natürlich mäandrierendes Bachtal sowie Obstbaumwiesen stark beeinträchtigt bzw. zerstört, aber auch große Ackerflächen und Weidenbereiche wären betroffen. Gerade im Hinblick auf die immer weiter zunehmende Zerstörung von Freiräumen müssen wir lernen, nachhaltiger mit der Natur umzugehen. Damit ist diese vorliegende Trassenplanung und die damit verbundene Versiegelung und Zerschneidung von Lebensräumen abzulehnen.

BUNDnessel: Soll denn der bisherige Zustand beibehalten werden oder was soll gemacht werden ?

Weimer-Henß: Der BUND ist für einen maßvollen Ausbau auf der alten Trasse. Wenn die Straße im gesamten Bereich auf eine Breite von sechs Metern erweitert wird, dann reicht das aus, die Gefahrenbereiche zu entschärfen. Es geht grundsätzlich nicht darum, eine schnelle Verbindung zwischen Ratingen und Mettmann zu schaffen, sondern eine sichere Verbindung.

Pro: Herr Brehmer, Anwohner der Mettmanner Straße

BUNDnessel: Herr Brehmer, Sie treten engagiert für den Neubau der L239 im Schwarzbachtal ein. Was sind ihre Gründe?

Brehmer: Seit 1976 ist der Neubau der L 239 planfestgestellt und es besteht seit dieser Zeit Baurecht. Zwischenzeitlich, Anfang der 80er Jahre wurde die A 44 gebaut und auch die Auffahrt Schwarzbachtal auf die A 44. Anschließend wurde im Bereich Mettmann/Düsseldorf die L 239 gemäß der planfestgestellten Trasse und auch die Umgehung um Mettmann aus Richtung Wuppertal fertiggestellt. Dies verursachte im Bereich der Mettmanner Straße einen derartigen Anstieg der Verkehrsdichte, dass dieser heute für die Anlieger der Mettmanner Straße so nicht mehr tragbar ist. Bereits 1988 ging man von 5400 KFZ pro Tag aus. Ich schätze, dass heute sechs- bis siebentausend KFZ pro Tag die Straße befahren. Dies ist für die Anlieger eine nicht haltbare Situation, zumal bei Bussen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln die Gefahr von Unfällen und die Gefahr für Leib und Leben der Anlieger nicht zu vermeiden ist. Aus diesem Grunde befürworten die Anlieger der Mettmanner Straße den Neubau der L 239. Dieser Neubau ist auf absehbare Zeit die einzige Möglichkeit, dem derzeitigen Verkehr an dieser Stelle Herr zu werden. Die Behauptung verschiedener Organisationen, dass der Neubau der Straße umweltzerstörerische Elemente bringen würde, stimmt so nicht , da die neue Straße - ich will es übertrieben sagen - nur durch eine Agrarsteppe verlaufen würde. Von Umweltzerstörung kann dort nicht die Rede sein. Das wären die wesentlichen Gründe, die aus meiner Sicht dazu zu sagen wären.

BUNDnessel: Wäre der Ausbau der jetzigen Straße auf ca. sechs Meter unter Verzicht auf einen parallel geführten Radweg nicht umweltschonender?

Brehmer: Zu dieser Frage möchte ich zu bedenken geben, dass die Mettmanner Straße in ihrer jetzigen Form , für Schwerlastverkehr über 3,5 Tonnen gesperrt ist. Einen Ausbau der Mettmanner Straße auf sechs Meter halte ich für unmöglich, da es sich um eine Landesstraße handelt. Gemäß allgemeiner Auskunft und allgemeiner Kenntnis wird eine Landstraße unter 6,3 Meter Breite und ohne Zulassung des Schwerlastverkehrs keinerlei Aussicht haben, überhaupt ausgebaut werden zu können. Diese 3,5 Tonnen Belastungsgrenze, die zur Zeit gegeben ist, deutet doch darauf hin, dass der Unterbau der Mettmanner Straße nicht geeignet ist, überhaupt Schwerlastverkehr aufzunehmen. Das heißt, eine Verbreiterung in welcher Form auch immer würde bedeuten, dass ein kompletter Neubau des Untergrundes erforderlich ist. Dies, Herr Lindemann, haben Sie in einem Schreiben vom 24.11.91 auch so zugegeben: In einem Schreiben an die Bezirksausschüsse der Stadt Ratingen, wo Sie sagen, dass der Ausdruck “Ausbau der Straße” nur den kompletten Neubau verschleiern soll. Dies kann so nicht von uns hingenommen werden, da auch der Ausbau auf sechs Meter, wenn er wirklich durchgeführt werden könnte, nur dazu führt, dass der Verkehr schneller wird, als er bisher erlaubt ist.

Kontra: Frau Weirich-Wigloh, Jusos, und Herr Hoffmann, SPD

Frau Weirich-Wigloh von den Jusos äußerte sich anlässlich der Demonstration gegen den Neubau der L239n:
"Wir beurteilen eigentlich den Verlauf der Demonstration und das Interesse an dieser Aktion sehr positiv. Besonders ermutigend war, dass sich sehr viele Ratinger BürgerInnen, die selber Anlieger dieser Straße bzw. der geplanten Straße sind, sich uns angeschlossen haben und auch den Protest weitertragen wollen. Mit dieser Aktion ist es ja nicht getan. Wir werden da weitere folgen lassen. Wir sammeln zum Beispiel weiter Unterschriften und es ist zu überlegen, ob eventuell Klagen der Anwohner dann auch von uns unterstützt werden."

Herr Hoffmann, SPD benannte die Hauptgründe gegen den Neubau der L239:

BUNDnessel: Häufig wird als Argument für den Neubau die Unfallträchtigkeit der jetzigen Strecke angegeben. Ist dieses Argument zutreffend?

Wigloh: Nein! Die Unfallstatistik des Kreises gibt darüber überhaupt keinen Aufschluss, im Gegenteil, auf der ausgebauten Strecke auf Mettmanner Gebiet hat es weitaus mehr gefährliche Unfälle gegeben als auf Ratinger Gebiet. Mit angepasstem Fahren im Engpass kann auch auf Ratinger Gebiet vermieden werden, dass es zu Unfällen kommt.

BUNDnessel: Sehen Sie noch Chancen, den Neubau der L 239 zu verhindern und vielleicht noch eine Alternative zu ermöglichen?

Hoffmann: Ja, die sehe ich. Wenn man zum Beispiel die bisherige Richtgeschwindigkeit 30 bis 50 km/h beibehält und keinen LKW-Verkehr als Voraussetzung nimmt, dann lässt sich der Rad- und Fußgängerverkehr separat führen und der PKW-Verkehr auf der vorhandenen Trasse mit kleinen Entschärfungen sicher von und nach Ratingen führen.