MENSCH & TECHNIK

UMTS - ein faules Ei
Widerstand gegen Mobilfunk wächst
Götz-Reinhardt Lederer

Hans Eichel konnte sich freuen: Auf 50 Milliarden Euro hatten sich die Mobilfunkbetreiber im UMTS-Poker 2000 gegenseitig hochgeschaukelt – in völliger Überschätzung des neuen Kommunikationsmittels.

Die Verantwortung für eine dermaßen überzogene Lizenzgebühr liegt sicher bei den Mobilfunkfirmen. Ein solcher Deal bleibt allerdings für beide Vertragspartner nicht ohne Folgen. Nicht nur die Mobilfunkfirmen haben neben den Rechten auch die Verpflichtung übernommen, das UMTS-Netz zu installieren, sondern auch die Bundesrepublik hat sich mit diesem überzogenen 50 Milliarden Euro ein ganz faules Ei ins Nest gelegt. Sie kann nicht solche Summen einkassieren und dann den Vertragspartner im Regen stehen lassen.

Die Mobilfunkbetreiber erwarten von der Bundesregierung, dass ihnen alle Wege bei der Errichtung eines UMTS-Netzes geebnet werden. Und die Bundesregierung hat sich auch entsprechend verhalten. Die unglaublich hohen Grenzwerte für den Mobilfunk wurden gegen jedes bessere Wissen beibehalten. Das Bundesamt für Strah-lenschutz hat lange Zeit nur beruhigende Falschinformationen zur Gefahr durch die gepulsten Strahlen herausgegeben. Erst in letzter Zeit, nachdem der Leiter der Behörde gewechselt hat, wird wenigstens von der Nutzung der Handys durch Kinder abgeraten.

Der Ausbau der Mobilfunknetze für den UMTS-Betrieb wurde sogar mit dem Grundgesetz begründet. Nach § 87f muss der Bund angemessene Telekommunikation zur Versorgung gewährleisten. Dass dies nur für eine Grundversorgung gilt, hat man dabei geflissentlich übersehen. Butterweich war die Reaktion des Umweltministers, als gesundliche Schäden durch gepulste Mobil-funkstrahlen bekannt wurden und sein Eingreifen gefordert wurde.

Geld für Kinderbetreuung

In den Koalitionsverhandlungen wurden Gelder aus den UMTS-Lizenzen dafür auserkoren, in Kinderbetreuung in Tagesstätten und Ganztagsschulen investiert zu werden. Auf makabre Weise bezahlen die Kinder für ihre geplante Betreuung selber – nämlich mit Ihrer Gesundheit.

Auch die Länder hatten keine Bedenken, sondern nichts eiligeres zu tun, als möglichst viel von den UMTS Lizenzen abzubekommen. Gesundheitliche Gefahren sollten auch hier das Gewissen nicht belasten. Die unheilige Allianz setzt sich bis in die Städte fort. Motto der Gemeinden: “Wenn die Grenzwerte eingehalten sind, können wir nichts tun, außerdem müssen wir ja sicher stellen, dass die Versorgung gewährleistet wird.”

Unter diesem Vorwand hat zum Beispiel die Langenfelder Verwaltung mal eben einen 20-jährigen Vertrag mit Vodafone über eine Sendeanlage abgeschlossen. Die betroffenen Bürger und selbst die Lokalpolitiker wurden nicht informiert. Beruhigend betont Stadtbaurat Hans-Otto Weber, dass auf dem Turm ein “Richtfunk-Sammler” gebaut würde. Und der strahle nicht in die Nähe aus. In Haan sieht es Beigeordneter Matthias Buckesfeld noch einfacher: "Wenn wir als Gemeinde uns verweigern, machen es Private einige Meter weiter."

Oft werden von offizieller Stelle die gesundheitlichen Schäden durch Mobilfunk als Unsinn abgetan und Mobilfunkkritiker als Spinner bezeichnet, die sich Ihre Kopf-schmerzen und sonstigen Krankheiten nur einbilden, die sie nach Errichtung eines Senders bekommen haben. Dazu nur folgendes: Versicherungen verweigern jegliche Haftung für Mobilfunkschäden. Das Risiko ist den Versicherungen zu groß!

Dringender Handlungsbedarf

Wenn Verantwortliche aus Bund, Land und Stadt sich verweigern, beginnen Bürger selbst zu handeln. In Erkrath wurden die Sender an der Rankestraße verändert, und an der Eisenstraße hat eine Anwohnerin die Verwaltung solange genervt, bis ein Sender weggedreht wurden. Schlagartig hat sich das Befinden der Betroffenen verbessert.

Widerstand lohnt sich also! Er muss weiter erhöht werden. Denn mit jedem Widerspruch gegen ungenehmigte Sender kann man den Druck entscheidend erhöhen.

Ziele der Mobilfunkkritiker 

Wohlgemerkt, es geht nicht darum, Mobilfunk zu verhindern: Mobilfunk ist auch mit Strahlungswerten möglich, die weit unter dem Niveau liegen, bei dem man Gesundheitsschäden vermutet. Es hat keinen Sinn, einige sensible Bereiche wie Kindergärten und Schulen auszusparen. Die meiste Zeit verbringen wir alle, und gerade auch Kinder, in und in der Nähe der Wohnung. Besonders wichtig ist die Schlaf-phase des Menschen. Baubiologen gehen von einem unschädlichen Wert von 0,1 µW/m² im Schlafbereich aus. Außerhalb der Wohnung kann man dann wohl 1µW zulassen. Tagsüber ist die Empfindlichkeit geringer, ein Wert von 10 µW/m² ist dann wohl akzeptabel. Mobilfunk ist mit diesen Werten durchführbar. Solange die Werte nicht eingehalten werden, darf man keine neue Anlagen in Betrieb gehen lassen, schon bestehende Sender müssen so schnell wie möglich abgebaut werden.