MENSCH & TECHNIK

Naturschutz zahlt sich aus
Neue Studie belegt Wirtschaftlichkeit

Wirtschaft und Natur: kein Widerspruch, ganz im Gegenteil: Naturschutz zahlt sich auch ökonomisch aus, und zwar in Milliardenhöhe.

Ein internationales Team von Umweltforschern und Wirtschaftswissenschaftlern hat es in einer aktuellen Studie deutlich belegt: Berechnet man den ökonomischen Wert von Naturschutzgebieten nach einem Schlüssel, der auch Faktoren wie Klima, Wasser, Boden und Artenerhalt mit einbezieht, kommt man zu einem eindeutigen Ergebnis: der wirtschaftliche Vorteil unberührter Ökosysteme übersteigt den Ertrag kurzfristig genutzter Flächen etwa durch konventionellen landwirtschaftlichen Anbau oder Holzfällerei um das Hundertfache!

Andrew Balmford von der Universität Cambridge und seine Kollegen kommen zu dem Schluss, dass ein globales Netzwerk von Naturschutzgebieten der Weltbevölkerung jährlich 4540 Milliarden Euro mehr an "Waren und Diensten" liefern könnte als das gleiche Land in bebauter, auf Menschen zugeschnittener Form. Fazit: die Zerstörung natürlicher Lebensräume ist eindeutig kontraproduktiv – von den sozialen, kulturellen und moralischen Nachteilen ganz zu schweigen. Tropische Wälder, Sümpfe oder Korallenriffe büßen durchschnittlich die Hälfte ihres Wertes ein, wenn sie kommerziell ausgeschlachtet werden.

Dies belegen die Experten exemplarisch an fünf Fallstudien:

  1. Ein von der Holzindustrie genutzter tropischer Urwald in Malaysia
  2. Urwald in Kamerun, der Plantagen weichen musste.
  3. Mangrovenlandschaft in Thailand, die jetzt Krabbenfischer ernährt
  4. Ein für die Landwirtschaft ausgetrocknetes Sumpfgebiet in Kanada
  5. Ein für den Fischfang gesprengtes Korallensystem in den Philippinen.

Jeder dieser Fälle zeigt, dass durch den Erhalt der Ökosysterne ein weitaus höherer Wert erzielbar gewesen wäre als durch die jetzige Nutzung, die nur auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtet ist. Die naturbelassenen Ökosysteme hätten als Schutz vor Stürmen und Fluten dienen können, als Auffangbecken für Kohlenstoff gegen den Klimawandel oder sogar als Urlaubsziel für sanften Tourismus.

Es gibt auch Positiv-Beispiele, die diese Aussagen untermauern:etwa die Insel Merritt an Floridas Cape Canaveral. Dort zeigt sich bereits heute, dass Naturschutzgebiete langfristig Gewinne abwerfen können. Wegen der ungewöhnlich großen Fische ist die Umgebung von Merritt Island bei Sportanglern sehr beliebt. In den Gewässern rund um ein geschütztes Korallengebiet vor der Karibikinsel St. Lucia, das als Soufriere Marine Management Area bekannt ist, stieg der Ertrag des Fischfanges nach Einrichtung des Schutzgebietes deutlich an.

Dennoch werden Ökosysteme weltweit in fast unverminderter Rate zerstört. Nach Meinung der Experten liegt dies vor allem an drei Faktoren: dem Streben Einzelner nach schnellem Gewinn, der Unkenntnis über den wahren wirtschaftlichen Wert von Naturschutzräumen und steuerlichen Anreizen, die für die Verwandlung von Natur in "Nutzflächen" gewährt werden.

Die komplette Studie findet sich in “Science” Bd. 297, S. 950