NATUR & UMWELT

Flutvorsorge für Hilden
Gefahr wurde lange Zeit ignoriert
von Claudia Roth


Die Itter: fließt sie weiter so gemächlich dahin?

Das Hochwasser in der Elbregion hat in diesem Ausmaß Millionen von Menschen völlig unvorbereitet getroffen. Eineinhalb Jahre zuvor – und schon fast wieder vergessen – wurden aber auch tausende Menschen im Oberbergischen Kreis und im westfälischen Ahlen von den Wassermassen eines Platzregens überrascht.

Binnen weniger Stunden fiel ein Vielfaches der normalen Niederschlagsmengen, Bäche führten das 50-fache der normalen Abflussmengen. In Ahlen wurden hunderte Wohnungen überschwemmt, Menschen mussten mit Schlauchbooten gerettet werden, Gas drohte zu explodieren. Der Schaden ging in beiden Regionen in zweistellige Millionenbeträge.

Daraus können und müssen wir lernen. Mit unserem Bürgerantrag wollen wir dazu anregen, uns jetzt vorzubereiten die nötigen Schritte zu unternehmen, um späteren Schaden zu vermeiden und nicht, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht, das Chaos zu verwalten.

Überschwemmungen hat es früher in Hilden schon in recht schlimmer Form gegeben. Das letzte große Itterhochwasser ist gerade einmal etwa 50 Jahre her. Damals hatte Hilden aber noch nicht einmal halb soviel Einwohner und die Versiegelung war weitaus geringer.

Die Bedrohung trifft heute weitaus mehr Menschen, und sie wird größer: doch kaum jemand ist sich heute der Gefahren bei Hochwasser durch Kurzschlüsse oder plötzlich voll laufende Tiefgaragen bewusst! Aber neben der Bedrohung der Menschen sind auch hohe Sachwerte betroffen: Haus, Möbel, Garten und weitere Wertsachen.

Und nicht zuletzt die Umwelt ist gefährdet, z.B. durch auslaufendes Öl aus Haustanks. Oder bei der Überschwemmung von Gewerbebetrieben, die in potenziellen Überflutungsflächen liegen, z.B. an der Liebig- und der Siemensstraße. Wie wir vor kurzem bei einer Akteneinsicht festgestellt haben, soll genau hier ein Lager für wassergefährdende Stoffe entstehen. Die Gefahr einer Flutkatastrophe wurde weder bei der Aufstellung des Bebauungsplanes, noch bei der Genehmigung bedacht.

Die Bedrohung der Bürgerinnen und Bürger ist immer schneller und schlimmer da, als sich das die zuständigen Stellen gerne ausmalen. Bei Blitz-Unwettern wie denen vom Mai 2001 gab es eine Vorwarnzeit von gerade einmal einer Stunde. Doch wer in Hilden weiß schon, ob und in wie weit das eigene Hab und Gut gefährdet ist?

Wohlgemerkt, es geht dem BUND nicht um Panikmache: wir möchten aber, dass die Menschen vorbereitet sind auf Gefahren, wir wollen den potenziell Betroffenen Möglichkeiten der Vermeidung aufzeigen, auch durch Verzicht auf weitere unnötige Versiegelung und Verdichtung der Bebauung. Wir vermissen in der Sitzungsvorlage für den Stadtentwicklungsausschuss eine Beschlussempfehlung und Aussagen zu dem geforderten Katastrophenplan. Abwiegelungen und Ausflüchte wollen wir nicht zulassen.

Das Risiko eines Hochwassers in ein Hinterstübchen zu verweisen, ist für uns keine vernünftige Problembehandlung. Daher unser Appell an Rat und Verwaltung: Wir erwarten, dass Sie den Bürgerinnen und Bürgern Klarheit geben, dass Sie notwendige Maßnahmen ergreifen, auch wenn diese eine Politikänderung bedeuten. Wir fordern Sie auf, sich nicht hinter anderen Institutionen verstecken, sondern das, was Sie an Möglichkeiten haben, zu veranlassen, damit die nötige Vorsorge für den Ernstfall getroffen ist. Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss beauftragt die Verwaltung, ein Hearing mit allen in Hochwasserfragen verantwortlichen Stellen zu organisieren.